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Glossar: Ausschreibungsbegriffe von A bis Z

Alle wichtigen Begriffe rund um Ausschreibungen, Vergaberecht und öffentliche Beschaffung – verständlich erklärt. Von GAEB-Formaten über VOB-Regelwerke bis zu Vergabeverfahren.

Vergaberecht & Regulierung

Die rechtlichen Grundlagen des deutschen und europäischen Vergabewesens bilden den Rahmen für alle öffentlichen Ausschreibungen.

GWB (Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen)

Das GWB ist das zentrale deutsche Wettbewerbsgesetz und enthält in Teil 4 (§§ 97 ff.) die Grundsätze des Vergaberechts für öffentliche Aufträge oberhalb der EU-Schwellenwerte. Es regelt Transparenz, Gleichbehandlung und Wettbewerb in Vergabeverfahren.

VgV (Vergabeverordnung)

Die Vergabeverordnung konkretisiert das GWB für die Vergabe öffentlicher Liefer- und Dienstleistungsaufträge oberhalb der EU-Schwellenwerte. Sie regelt Verfahrensarten, Fristen, Eignungsprüfung und Zuschlagskriterien.

VOB (Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen)

Die VOB ist das zentrale Regelwerk für Bauausschreibungen in Deutschland, bestehend aus drei Teilen: VOB/A (Vergaberegeln), VOB/B (Vertragsbedingungen) und VOB/C (technische Vertragsbedingungen/DIN-Normen). Siehe auch unseren VOB-Leitfaden.

UVgO (Unterschwellenvergabeordnung)

Die UVgO regelt die Vergabe öffentlicher Aufträge unterhalb der EU-Schwellenwerte. Sie vereinheitlicht die Vergabepraxis für kleinere Aufträge und gilt für Liefer- und Dienstleistungen des Bundes und vieler Länder.

SektVO (Sektorenverordnung)

Die Sektorenverordnung regelt die Vergabe in den Bereichen Wasser, Energie, Verkehr und Telekommunikation. Sektorenauftraggeber haben erweiterte Spielräume bei der Gestaltung ihrer Vergabeverfahren.

EU-Schwellenwerte

Ab bestimmten Auftragswerten (2026/2027: Bauaufträge ab 5.538.000 EUR, Liefer-/Dienstleistungen ab 221.000 EUR, Sektoren ab 443.000 EUR) müssen Aufträge EU-weit ausgeschrieben werden. Unterhalb gelten nationale Vergaberegeln.

Vergabeverfahren & Prozesse

Die verschiedenen Vergabeverfahren im deutschen Vergaberecht und ihre spezifischen Anforderungen.

Offenes Verfahren

Ein Vergabeverfahren, bei dem eine unbeschränkte Anzahl von Unternehmen zur Angebotsabgabe aufgefordert wird. Es ist das transparenteste Verfahren und wird am häufigsten eingesetzt.

Nicht offenes Verfahren

Ein zweistufiges Verfahren: Zunächst bewerben sich Unternehmen um die Teilnahme (Teilnahmewettbewerb), dann werden ausgewählte Bewerber zur Angebotsabgabe aufgefordert.

Verhandlungsverfahren

Verfahren, bei dem der Auftraggeber mit ausgewählten Unternehmen über die Auftragsbedingungen verhandeln kann. Wird bei komplexen Aufträgen eingesetzt, bei denen die Leistung nicht vorab eindeutig beschrieben werden kann.

Vergabestelle

Die Behörde oder Organisation, die eine öffentliche Ausschreibung durchführt. Sie ist verantwortlich für die Erstellung der Vergabeunterlagen, die Bewertung der Angebote und die Zuschlagserteilung.

Bietergemeinschaft

Zusammenschluss mehrerer Unternehmen, die gemeinsam ein Angebot abgeben. Häufig bei Großprojekten, um Kapazitäten, Kompetenzen und Referenzen zu bündeln.

Nachunternehmer

Unternehmen, das vom Hauptauftragnehmer mit der Ausführung von Teilleistungen beauftragt wird. In Ausschreibungen müssen Nachunternehmerleistungen oft angegeben und deren Eignung nachgewiesen werden.

GAEB-Formate & Dateien

GAEB (Gemeinsamer Ausschuss Elektronik im Bauwesen) definiert standardisierte Austauschformate für Leistungsverzeichnisse und Abrechnungen im Bauwesen. Siehe unseren detaillierten GAEB-Leitfaden.

GAEB X81 (Ausschreibung)

Das Format für Ausschreibungen und Leistungsverzeichnisse. Enthält Positionen, Mengen und Einheiten ohne Preise. X81-Dateien werden vom Auftraggeber erstellt und an Bieter versendet.

GAEB X82 (Angebot)

Das Format für Angebotsabgaben. Basiert auf der X81-Datei, ergänzt um die Einheitspreise und Gesamtpreise des Bieters.

GAEB X83 (Auftrag)

Das Format für die Auftragserteilung. Enthält die finalen, beauftragten Positionen und Preise nach Zuschlagserteilung.

GAEB X84 (Abrechnung)

Das Format für die Rechnungsstellung und Abrechnung von Bauleistungen. Dokumentiert erbrachte Leistungen und tatsächliche Mengen.

GAEB X85/X86 (Katalog/Kostenschätzung)

Ergänzende Formate für Produktkataloge (X85) und Kostenschätzungen in der Planungsphase (X86). Werden in frühen Projektphasen verwendet.

Leistungsverzeichnis (LV)

Die detaillierte Auflistung aller zu erbringenden Leistungen in einer Ausschreibung. Im Bauwesen oft im GAEB-Format, mit hierarchischer Gliederung in Lose, Titel und Positionen.

Analyse & Entscheidungsbegriffe

Begriffe rund um die Analyse und Bewertung von Ausschreibungen, wie sie auch im Ausschreibungs-Dossier von BlackSwanAI verwendet werden.

Go/No-Go-Entscheidung

Die strategische Entscheidung, ob ein Unternehmen an einer Ausschreibung teilnimmt oder nicht. Berücksichtigt Faktoren wie Kapazität, Expertise, Risiko, Wettbewerb und strategische Passung. BlackSwanAI unterstützt diese Entscheidung durch das Ausschreibungs-Dossier.

Ausschreibungs-Dossier

Das Analyse-Framework von BlackSwanAI: Jede Ausschreibung wird aus 5 Perspektiven bewertet — Überblick, Bid/No-Bid-Empfehlung, Risikoanalyse, Historienvergleich und Klärungsfragen. Siehe den vollständigen Leitfaden.

Risikoregister

Systematische Erfassung und Bewertung aller identifizierten Risiken einer Ausschreibung. Unterteilt in kommerzielle, technische, rechtliche und Ressourcen-Risiken mit Eintrittswahrscheinlichkeit und Schadenpotenzial.

Klärungsfragen

Gezielte Rückfragen an die Vergabestelle zu unklaren, widersprüchlichen oder fehlenden Angaben in den Ausschreibungsunterlagen. Müssen fristgerecht gestellt werden und können die Bewertung erheblich beeinflussen.

Eignungskriterien

Mindestanforderungen an die Eignung eines Bieters, z.B. Umsatznachweise, Referenzen, Zertifizierungen oder technische Ausstattung. Werden in der Eignungsprüfung vor der inhaltlichen Angebotsbewertung geprüft.

Zuschlagskriterien

Die Kriterien, nach denen das wirtschaftlichste Angebot ermittelt wird. Neben dem Preis können Qualität, Konzept, Nachhaltigkeit und andere Faktoren berücksichtigt werden.

Normen & Standards

Relevante technische Normen und Standards im deutschen Ausschreibungswesen.

DIN-Normen

Deutsche Industrienormen des DIN (Deutsches Institut für Normung). In Bauausschreibungen häufig referenziert, z.B. DIN 18300 ff. für Erdarbeiten, DIN 18330 für Mauerarbeiten. VOB/C verweist direkt auf DIN-Normen als technische Vertragsbedingungen.

EN-Normen

Europäische Normen des CEN (Europäisches Komitee für Normung). Werden in Deutschland als DIN EN übernommen und sind in öffentlichen Ausschreibungen zunehmend relevant, z.B. EN 1090 für Stahltragwerke.

ISO-Normen

Internationale Normen der International Organization for Standardization. In Ausschreibungen häufig als Eignungskriterium gefordert, z.B. ISO 9001 (Qualitätsmanagement), ISO 14001 (Umweltmanagement), ISO 27001 (Informationssicherheit).

BSI-Grundschutz

IT-Sicherheitsstandard des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik. Wird in IT-Ausschreibungen des öffentlichen Sektors häufig als Anforderung oder Eignungskriterium gefordert.

E-Vergabe & Plattformen

Elektronische Vergabesysteme und Plattformen, über die öffentliche Ausschreibungen abgewickelt werden.

TED (Tenders Electronic Daily)

Die offizielle EU-Plattform für die Veröffentlichung europaweiter Ausschreibungen. Alle Aufträge oberhalb der EU-Schwellenwerte müssen hier publiziert werden. Erreichbar unter ted.europa.eu.

DTVP (Deutsches Vergabeportal)

Eine der größten deutschen E-Vergabe-Plattformen. Bietet Zugang zu Ausschreibungen von Bund, Ländern und Kommunen mit integriertem Angebotsabgabe-System.

Bund.de

Die zentrale Vergabeplattform des Bundes für öffentliche Ausschreibungen der Bundesbehörden. Bietet kostenfreien Zugang zu allen Bundesausschreibungen.

E-Vergabe

Oberbegriff für die elektronische Abwicklung von Vergabeverfahren. Umfasst die digitale Veröffentlichung, Kommunikation, Angebotsabgabe und Zuschlagserteilung. In Deutschland seit 2018/2020 für öffentliche Auftraggeber verpflichtend.

Häufig gestellte Fragen

Was ist GAEB und warum ist es für Bauausschreibungen wichtig?

GAEB steht für Gemeinsamer Ausschuss Elektronik im Bauwesen und definiert standardisierte XML-Austauschformate (X81-X86) für Leistungsverzeichnisse, Angebote und Abrechnungen im Bauwesen. Ohne GAEB-Kompatibilität können Unternehmen viele Bauausschreibungen nicht bearbeiten, da öffentliche Auftraggeber häufig die Angebotsabgabe im GAEB-Format voraussetzen.

Was ist der Unterschied zwischen VOB/A, VOB/B und VOB/C?

VOB/A regelt die Vergabe (wie ausgeschrieben und vergeben wird), VOB/B regelt den Vertrag (Rechte und Pflichten von Auftraggeber und Auftragnehmer) und VOB/C enthält die technischen Vertragsbedingungen (DIN-Normen für verschiedene Gewerke). Alle drei Teile sind für Bauausschreibungen relevant.

Ab welchem Auftragswert muss eine Ausschreibung EU-weit veröffentlicht werden?

Die EU-Schwellenwerte (2026/2027) liegen bei 5.538.000 EUR für Bauaufträge, 221.000 EUR für Liefer- und Dienstleistungen und 443.000 EUR im Sektorenbereich. Oberhalb dieser Werte greift das EU-Vergaberecht (GWB/VgV), unterhalb gelten nationale Regeln (UVgO).

Was bedeutet Go/No-Go-Entscheidung bei Ausschreibungen?

Die Go/No-Go-Entscheidung ist die strategische Bewertung, ob sich die Teilnahme an einer Ausschreibung lohnt. Dabei werden Faktoren wie verfügbare Kapazitäten, fachliche Eignung, Wettbewerbssituation, Risiken und strategische Passung abgewogen. BlackSwanAI automatisiert diesen Prozess mit dem Ausschreibungs-Dossier.

Wie unterstützt BlackSwanAI beim Verständnis dieser Fachbegriffe?

BlackSwanAI analysiert Ausschreibungsunterlagen automatisch und erkennt dabei vergaberechtliche Anforderungen, GAEB-Formate, VOB-Referenzen und branchenspezifische Terminologie. Das Ausschreibungs-Dossier ordnet diese Fachbegriffe in den Kontext der jeweiligen Ausschreibung ein und macht sie für die Angebotsentscheidung verwertbar.

Ausschreibungsbegriffe in der Praxis erleben

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